HaldenglĂŒhen
am 30.11. 22:27 Uhr von bicimigo

HaldenglĂŒhen
am 29.11. 09:03 Uhr von Reinerdir

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am 28.11. 19:21 Uhr von Hohlbratze

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am 27.11. 20:54 Uhr von Flavio

HaldenglĂŒhen
am 27.11. 11:12 Uhr von Reinerdir

 
Mach‘ ma Wat, wat Wenige machen
Allgemein, Fotoalbum

Da bekam ich vor kurzer Zeit einen Anruf von meinem Freund Adrian. „Hey Udo, hast du Lust mit mir nach Berlin zu fahren? Mit dem Bike von Marl nach Berlin“. Nach 300ms hatte er meine Antwort und ich kurz darauf die Aufgabe einen Termin zu finden. Wir starteten am Freitag, den 13. Mai um 8:00 Uhr in Marl-Polsum. Ein viel zu voller Rucksack (wie wir jetzt wissen) und auf Grund der Vorfreude mit viel zu wenig Mageninhalt.

So kam es uns sehr gelegen, dass Adi uns bei seinen Freunden Sabine und Gerd in Haltern-Flaesheim zum FrĂŒhstĂŒck eingebucht hat. Folglich hatten wir die erste Pause nach bereits 20km. Da wir eine Strecke von ursprĂŒnglich 600km vor uns hatten, war das angesagte Tagespensum 150km. Meine Motivation war am Pfingstmontag anzukommen, um den Dienstag in Berlin viel Bier zu trinken und den Tag nicht als Puffer fĂŒr mangelnde Leistung der Vortage zu nutzen. Aber dazu spĂ€ter mehr.

Weitgehend der Lippe entlang auf der ‚Römerroute‘ trafen wir ein PĂ€rchen auf dem Tandem und grĂŒĂŸten, wie es sich gehört. Bei schönstem Wetter unterwegs kamen wir am spĂ€ten Nachmittag in Bad Waldliesborn bei Lippstadt an. Nach einer Dusche und zwei Döschen Bier ging es zum ‚Ping Pong Man‘, lecker ‚All you can eat‘ zum Festpreis. Da hat das Restaurant bei uns nur an den GetrĂ€nken verdient. Wir mussten ja schließlich Kalorien zufĂŒhren.

Am zweiten Tag kam ich auf die glorreiche Idee uns beim Timm in Hameln zum Pasta-Schnorren anzumelden. „Wir sind in Lippstadt und haben bis Hameln so ca. 100km. Da wĂ€ren wir am Nachmittag bei dir. MĂŒssen dann aber weiter.“ (Anm. des Authors: Ich lach mich gerade schlapp
wie naiv
) Wie sich dann herausstellte, waren es bei dem Schlenker ĂŒber Paderborn und Detmold nicht 100km, sondern eher 150km und noch ein paar ‚lĂ€cherliche‘ Höhenmeter dazwischen. Wir waren beindruckt, wie das TandempĂ€rchen des Vortages – mit welchem wir an diesem Tag ein paar Kilometer zusammen gefahren sind – diese ‚Erderhebungen‘ (Weser Bergland) gemeistert haben.

Es wurde windiger. Es wurde kĂ€lter. Die Landschaft war fabelhaft. Abends bei 6 Grad Außentemperatur auf einem windigen Feld telefonierte ich ein weiteres Mal mit Timm, der uns aus seiner Komfortzone (beheiztes Heim) ein tolles Hotelzimmer organisiert hat. Heiße Dusche, kaltes Bier, ab zum Fressen. Gerade die Minestrone, den großen Salat und das Rumpsteak verputzt lief ein junges PĂ€rchen an uns vorbei
und? Yep, das TandempĂ€rchen. Wir trafen uns zum dritten Mal zufĂ€llig. Unglaublich. Also haben wir sie mal fix zu uns an den Tisch gebeten, um noch was zusammen zu trinken. Ebenso unglaublich war die Story, dass die Beiden am Freitag um 10:00 Uhr in Köln mal eben heimlich geheiratet haben und sich mit Ihrem Tandem nun auf Hochzeitsreise befinden. Da wussten wir dann auch, dass als wir sie am Vortag das erste Mal getroffen hatten, sie gerade ca. 5-6 Stunden verheiratet waren. Tolle Geschichte.

Der dritte Tag begann nun dort, wo einige Haldenbiker im Sommer 2015 eine andere Hochzeit gefeiert haben, gell? Timm? Nur noch 400km bis zum Ziel. Kalt, windig (allerdings von der richtigen Seite) folgten wir dem Radweg (Hameln-Berlin). Der fĂŒhrte uns ĂŒber Hildesheim bis nach Schöningen bei Helmstedt. Auf dieser Strecke ist es uns gelungen, den 20er Schnitt wieder deutlich zu verbessern, was uns am Vortag verwehrt blieb. Die Details zum Deutschen Haus, in dem wir ĂŒbernachtet haben, erspare ich euch. Das wĂŒrdet ihr noch weniger glauben, als das bisher Geschriebene. Abends gab es ’ne Familienpizza mit großem Tomatensalat fĂŒr Adrian und Vergleichbares fĂŒr mich. NatĂŒrlich ordentlich Gestensaft als Schlaftrunk.

Tag vier beschrieb Adrian nach unserer Ankunft am Brandenburger Tor am folgenden Morgen auszugsweise so:

Alles total verrĂŒckt. Heute Nacht um 24 Uhr sind wir am Brandenburger Tor angekommen. Sind gestern fast 250 km gefahren. Der Tag fing echt richtig beschissen an. Kalt, windig, regnerisch und wir kamen nicht so richtig in den Tritt. Die ersten 100 km haben sich so richtig gezogen. Immer ging es um kurbeln, trinken und essen, damit einem die Kraft nicht verlĂ€sst. Ich dachte, dass das in vier Tagen nach Berlin fahren nix wird. Seit drei Tagen schmerzten meine Achillessehnen und die Wege zogen sich wie Kaugummi. Straßen so lang, dass man schon heute sehen konnte, wo man morgen ankommt. So ging es stetig weiter. Dörfer in den denen der Hund begraben war. Kein CafĂ©, kein Restaurant … Einfach nix. Aber alles sehr idyllisch. Ab mittags nach unserer Pause in Schoeppingen Bad im Kaffee bei Kaffee und Kuchen hatte Udo die Idee, dass wir doch in Berlin ankommen könnten. Uns war klar, dass die letzten Stunden dann im Dunklen gefahren mĂŒssten. Ohne Licht. Denn auf eine Nachtfahrt waren wir nicht eingerichtet.

Im ersten Moment dachte ich jetzt isser völlig durchgedreht. Er scheint zu halluzinieren oder sowas. Und so kurbelten wir die weiteren km ab bis es nur 75 waren.

Und wir merkten, dass die Körner nur so dahin gerannt sind und dass wir unbedingt was essen mĂŒssen. Doch wie es die ganze Tour meistens so war. Es war nix. Zum GlĂŒck kamen wir dann doch an der einzigen Dönerbude im Berliner Umland vorbei.

Nach einer StĂ€rkung bei Cola und Döner ging es mit schnellen Schritten bzw. Tritten in die Pedalen dem Ziel entgegen. Lange Alleen wie auch lange sandige Wege machten uns den Weg nochmal richtig schwer. Bei einem guten 25iger Schnitt rissen wir die letzten km nur so ab. Meine Schmerzen in den Achillessehnen wurden zum GlĂŒck nicht schlimmer. Doch jeder Tritt tat weh. Egal wie ich den Fuß auf der Pedale hatte. Besonders bergauf. Bergab gab es Erholung. Aber selbst wenn wir gewollt hĂ€tten eine Übernachtung wĂ€re aufgrund von fehlender UrbanitĂ€t nicht gegangen. Und da waren es nur noch 40 km.

Es ging weiter durch Potsdam entlang der Havel. Und die Dunkelheit nahm zu. Zum GlĂŒck hatten wir zunehmenden Mond und sternklaren Himmel. So konnten wir einigermaßen was sehen. Mit klingeln und rufen haben wir uns durch den dunklen Wald am Wannsee weiter zum Ziel gebracht. Zuvor dachte ich noch hier mĂŒsste es doch Wildschweine geben. Und die gab es. Links und rechts der Straße raschelte es nur so. Mit rufen, klingen haben wir uns die Viecher vom Hals gehalten. Entgegenkommende Autos ließen uns mit ihren Scheinwerfern förmlich in eine dunkle Wand fahren. Man sah nichts mehr. Zum GlĂŒck gab es auf den letzten Metern keinen Platten. In dieser Dunkelheit ein Rad zu flicken, hĂ€tte dem ganzen echt nochmal die Krone aufgesetzt. Aber alles Jut gegangen. Als wir endlich wieder auf der Straße waren, ging es direkt auf den Ernst Reuter Platz und die SiegessĂ€ule zu. Und dann hatten wir das Brandenburger Tor nur noch 1 1/2 km vor uns. Hier war es dank der vielen Lampen fast taghell und wir ließen es gemĂŒtlich rollen. Wir konnten es kaum glauben. Gut, dass vor uns das Brandenburger Tor war. Sonst hĂ€tte ich gedacht, dass ich trĂ€ume. Aber es war alles wahr.

Am Ziel gab es ein Belohnungsbier und zusammen mit den paar anderen Touristen ein paar Fotos.

Nun heißt weiter ankommen und in Erinnerung schwelgen


Fazit: 710km, 34:27h, 20,6km/h, 4600hm und das Wissen, am letzten Tag mit 240km in 11:30h Fahrzeit nebeneinander die Distanz eines 24h-Rennen gefahren zu sein. Und das war nicht nur der Körper, das war der Kopf


ZurĂŒck ging es dann mit dem IC, der Tram und dem Bus. Ich bin noch nie mit dem Fahrrad im Bus von Buer nach Polsum gefahren. Ist auch mal cool.

Also
 wenn dir danach ist, dann mach‘ ma Wat, wat Wenige machen und du trĂ€gst Erinnerungen in dir, die sich echt besonders anfĂŒhlen und dir keiner mehr nehmen kann


Der Udo

im Mai 2016


Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 25. Mai 2016 um 20:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemein, Fotoalbum abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst zum Ende springen und ein Kommentar hinterlassen. Pingen ist im Augenblick nicht erlaubt.

5 Reaktionen zu diesem Beitrag.

#1192 von bicimigo am 26.05.2016 um 22:19 Uhr

Du meine GĂŒte, wie verrĂŒckt ist das den? Alle Achtung, so ne hammer Tour zu machen. Da hĂ€tte ich kein Bock drauf. Aber nicht schlecht Alder.


#1193 von Ghosttreiber am 27.05.2016 um 07:06 Uhr

Respekt. Sehr schöne Aktion. Toll. Das wird euch lange in errinnerung bleiben.
Unglaublich die Geschichte des Ehepaares ;-)
Allerdings wĂŒrde ich sehr gerne Detail ĂŒber das „Deutsche Haus“ erfahren


#1194 von Reinerdir am 27.05.2016 um 07:34 Uhr

Respekt, und ein wirklich gelunger Artikel


#1195 von der-udo am 29.05.2016 um 17:31 Uhr

Danke fĂŒr die Blumen, die werde ich mit Adrian teilen. Gerne erzĂ€hle ich euch demnĂ€chst ‚unglaubliche Geschichten‘ vom „Deutschen Haus“ bei Bierchen und Burger auffe Ponderosa…


#1197 von Hohlbratze am 5.06.2016 um 22:25 Uhr

Ha ha,sehr geil!Tofter Bericht und Titel.Daumen hoch :-))


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